Flying Faculty in Vietnam: Praxisorientierte Lehre am VGU-Campus

Im Rahmen des Moduls „Powder Metallurgy and Sintered Materials“ fand im Frühjahr eine praxisorientierte Lehrveranstaltung in den Laboren der Vietnamesisch-Deutschen Universität (VGU) statt. Unter der Leitung von Dr. Georg Hasemann und Florian Würpel (Lehrstuhl Hochtemperaturwerkstoffe der OVGU) wurden den Studierenden des Master-Kurses Materials Science (MSI) in Ho-Chi-Minh-Stadt die theoretischen und praktischen Grundlagen der Pulvermetallurgie und der Sinterprozesse vermittelt.
Das Besondere an diesem Lehrformat: Die Studierenden konnten das Gelernte direkt im Labor anwenden. Über das Verfahren des mechanischen Legierens stellten sie eigene Legierungen aus elementaren Pulvern her und untersuchten diese anschließend mithilfe modernster Analytik – darunter Röntgendiffraktometrie (XRD), Rasterelektronenmikroskopie (REM) und Partikelgrößenanalyse. Ihre Erkenntnisse und experimentellen Ergebnisse verteidigten die Studierenden in einem abschließenden, lebhaften Seminar, diskutierten sie wissenschaftlich und fassten sie in Postern zusammen.

„Unser Lehrkonzept soll die MSI-Studierenden motivieren, das in der Vorlesung erlernte Wissen direkt im Labor umzusetzen und somit einen unmittelbar praktischen Zugang zum vermittelten Stoff zu erhalten. Sie dabei anzuleiten und zu unterstützen ist uns ein großes Anliegen, welches durch die Flying Faculty ermöglicht wird“, erklärt Florian Würpel, Leiter des praktischen Laborkurses.
Intensive Vorbereitung und Logistik im Hintergrund
Ein solcher Lehraufenthalt im Ausland ist eine Bereicherung für beide Seiten, erfordert jedoch eine enorme Vorbereitung. Bereits Monate vor der Abreise nach Vietnam beginnt in Magdeburg die Detailplanung. Der dichte Lehrplan – bestehend aus Vorlesungen, praktischen Übungen, Konsultationen und begleiteten Selbstlernphasen – wird lange im Voraus mit den vietnamesischen Kolleginnen und Kollegen abgestimmt und fixiert.
Der Lehralltag: Zwischen Großstadttrubel und Pendelzeiten
Das Leben in der Metropole Saigon bietet den Lehrenden eine pulsierende Energie und eine lebendige Kultur, die einen willkommenen Ausgleich zum intensiven Lehralltag darstellt. Logistisch fordert der Aufenthalt jedoch Disziplin: Jeden Morgen um 6:30 Uhr startet der Mitarbeiterbus zum rund 45 Kilometer nördlich gelegenen VGU-Campus. Aufgrund des dichten Verkehrs nimmt die Fahrt oft gut zwei Stunden in Anspruch – Zeit, die das Magdeburger Team intensiv nutzt, um Vorlesungen vorzubereiten, Präsentationen final zu prüfen und den Austausch mit der Heimatuniversität zu pflegen.
Flexibilität im Labor als Schlüssel zum Erfolg
Vor Ort spielen auch die klimatischen Bedingungen eine Rolle: Bei Temperaturen um die 34 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 95 % oxidieren Pulverproben rasend schnell. Im Hörsaal und im Labor ist daher maximale Flexibilität gefragt. Die Pläne müssen kontinuierlich an die Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. So stellte beispielsweise die Präparation der empfindlichen Pulverproben für die REM-Demonstrationen unter den Bedingungen des lokalen Metallografielabors eine besondere Herausforderung dar, die das Team erfolgreich meisterte.
Engagement über die regulären Arbeitszeiten hinaus
Die Betreuung der Studierenden endet nicht mit dem Wochenende. Neben Gelegenheiten, das Land und seine Sehenswürdigkeiten zu erkunden, läuft die Arbeit im Hintergrund stetig weiter. Ob bei der Strukturierung der kommenden Unterrichtswoche oder der Überarbeitung von Vorlesungsmaterialien zur Prüfungsvorbereitung – das Engagement für die Studierenden bleibt hoch.
Das Fazit des Modulverantwortlichen Dr. Georg Hasemann fällt durchweg positiv aus:
„Ja, es fordert uns einiges ab. Am Ende geht es jedoch genau darum: Das, was wir an der Wissenschaft und Lehre lieben mit den fantastischen Möglichkeiten und Orten zu verbinden, an denen wir diese Tätigkeit ausüben dürfen!“
Text und Bilder: Dr. Georg Hasemann